27. Juli 2016

 

Die Nachrichten

US-DemokratenHillary Clinton offiziell als Präsidentschaftskandidatin nominiert

Die US-Demokraten haben die frühere Außenministerin Clinton offiziell als Kandidatin für die Präsidentenwahl im November nominiert. Clinton erhielt auf dem Parteitag der Demokraten in Philadelphia eine deutliche Mehrheit unter den Delegierten. Ihr innerparteilicher Rivale Sanders hatte seine Anhänger zuvor aufgerufen, Clinton zu unterstützen. Die 68-Jährige ist die erste Frau in der Geschichte der Vereinigten Staaten, die sich um das Präsidentenamt bewirbt. Sie tritt gegen den Bewerber der Republikaner, Trump, an. Auf dem Programm des Parteitags stand auch eine Rede ihres Ehemanns, Ex-Präsident Bill Clinton. Er bezeichnete seine Frau als Kämpferin für soziale Gerechtigkeit. Morgen wird Clinton selbst eine Rede halten. Es wird erwartet, dass sie dann ihre Nominierung formell annimmt.

Hacker-AngriffObama schließt russische Einmischung in US-Wahlkampf nicht aus

US-Präsident Obama schließt den Versuch einer Einmischung Russlands in den amerikanischen Wahlkampf nicht aus. Alles sei möglich, sagte er in einem Fernsehinterview mit Blick auf die Veröffentlichung von E-Mails der demokratischen Parteispitze durch die Enthüllungsplattform Wikileaks. Obama verwies darauf, dass die Bundespolizei FBI zwar noch ermittle, aber Experten das Hacking Russland zuschrieben. Es sei möglich, dass Kremlchef Putin den Republikaner Trump einer demokratischen Präsidentin Clinton vorziehe. - Die Veröffentlichung der E-Mails kurz vor Beginn des Parteitages der Demokraten hatte große Unruhe ausgelöst. Daraus ging hervor, dass Teile des Parteivorstands von vornherein stark zugunsten von Clinton voreingenommen war. Das hatte die Anhänger ihres unterlegenen Rivalen Sanders verärgert. Die Parteiführung entschuldigte sich inzwischen dafür.

Lage in TürkeiKurdische HDP befürchtet weiteren Druck und Mandats-Aberkennungen

Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei befürchtet die Kurdenpartei HDP zunehmenden Druck auf ihre Mitglieder. Die HDP-Abgeordnete Uca sagte im Deutschlandfunk, zu dem jüngsten Gespräch von Präsident Erdogans mit Vertretern der Opposition sei ihre Partei gar nicht erst eingeladen worden - und das obwohl auch die HDP den Putschversuch klar verurteilt habe. Zwar drohe der Partei wohl kein Verbot, meinte Uca. Durch die Aufhebung der Immunität von 55 ihrer Parlamentarier aber seien Gefängnisstrafen und letztendlich auch die Aberkennung von Abgeordneten-Mandaten möglich. Das Parlament in Ankara hatte gestern einstimmig eine parlamentarische Untersuchungskommission zur Aufarbeitung der Ereignisse am 15. Juli beschlossen. Nach offiziellen Angaben wurden inzwischen über 13.000 Personen festgenommen und zehntausende Staatsbedienstete suspendiert. Zuletzt entließ die türkische Religionsbehörde mehr als 1.100 Mitarbeiter wegen des Verdachts, die Putschisten unterstützt zu haben.

FrankreichHollande trifft nach Anschlag Vertreter der Religionsgemeinschaften

Nach dem offenbar islamistisch motivierten Anschlag in einer Kirche in Nordfrankreich will sich Präsident Hollande heute mit Vertretern der Religionsgemeinschaften treffen. Anschließend berät das französische Sicherheitskabinett. - Gestern waren zwei mutmaßliche Terroristen in eine Kirche eingedrungen. Sie töteten einen Priester und verletzen ein Gemeindemitglied schwer. Die Täter wurden beim Verlassen der Kirche von Sicherheitskräften erschossen. Einen der Männer identifizierten die Ermittler als einen in Frankreich geborenen 19-Jährigen, der bereits wegen Terrorverdachts in Untersuchungshaft gesessen hat.

Diskussion ums "Darknet"Chaos Computer Club weist auf Wichtigkeit für Dissidenten hin

In der Diskussion um illegale Online-Waffenkäufe weisen Netzaktivisten auf die Bedeutung des sogenannten Darknets für Regimekritiker und politisch Verfolgte hin. Der anonyme Teil des Internets sei ursprünglich zum Schutz von Dissidenten entwickelt worden, sagte der Sprecher des Chaos Computer Clubs, Neumann, der Deutschen Presse-Agentur. Wichtig sei es insbesondere für Menschen im Iran, in Syrien oder auch der Türkei. Auch sei der Umfang des Waffen- sowie Drogenhandels in der realen Welt weitaus größer als im Darknet. Dort soll sich der Amokläufer von München seine Tatwaffe beschafft haben. - Heute stellt das Bundeskriminalamt seine Erkenntnisse zur Entwicklung von Cyber-Kriminalität vor. BKA-Präsident Münch will sich dabei auch zum Darknet äußern. Dieses ist nicht über herkömmliche Suchmaschinen zugänglich. Zudem ist darin der Ursprung von Daten durch die Weiterleitung über mehrere Knoten im Netz meist nicht mehr nachzuvollziehen.

Deutsche BankKleines Plus im zweiten Quartal

Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal einen Gewinn von 20 Millionen Euro erwirtschaftet. Das teilte die größte deutsche Bank in Frankfurt am Main mit. Vor einem Jahr gab es noch ein Plus von gut 800 Millionen. Den Angaben zufolge waren die Erträge in fast allen Konzernsparten rückläufig. Mit 30 Prozent war der Einbruch im wichtigen Wertpapierhandel am größten. Als Gründe für die Entwicklung gab die Deutsche Bank die Kosten für den laufenden Umbau sowie die Unsicherheiten an den Kapitalmärkten unter anderem wegen des Brexit-Votums an.

LehrerverbandBundesländer sollten das Abitur stärker angleichen

Der Deutsche Philologenverband hat die Bundesländer aufgefordert, die Abiturprüfungen anzugleichen. Der Verbandsvorsitzende Meidinger sagte der Deutschen Presse-Agentur, es habe sich eine Art Wettlauf um die besten Noten etabliert, den man stoppen müsse. Für eine Angleichung der Abitursysteme fehle aber offenbar der politische Wille. Laut Statistik der Kultusministerkonferenz sind die Ergebnisse der Prüfungen in den vergangenen Jahren im Durchschnitt fast überall immer besser geworden. Bei den Quoten der Abiturnoten mit einer Eins vor dem Komma gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern: Während der Anteil in Thüringen bei rund 40 Prozent liegt, beträgt er in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz unter 20 Prozent.

TerritorialstreitKerry ruft zu Besonnenheit bei Disputen im Südchinesischen Meer auf

US-Außenminister Kerry hat im Streit um Hoheitsansprüche im Südchinesischen Meer zur Besonnenheit aufgerufen. Alle Beteiligten müssten Konfrontationen vermeiden, sagte Kerry in Manila bei einem Treffen mit seinem philippinischen Amtskollegen Yasay. Er erwarte zudem, dass das Urteil des Internationalen Schiedsgerichtshofs in Den Haag akzeptiert werde. - Das Gericht hatte vor zwei Wochen Chinas Ansprüche auf mehr als 80 Prozent des Meeresgebietes zurückgewiesen. Peking erkennt die Zuständigkeit des Schiedshofs, den die Philippinen angerufen hatten, nicht an.

WestjordanlandIsraels Armee tötet militanten Palästinenser

Israelische Soldaten haben nahe Hebron im Westjordanland einen militanten Palästinenser getötet. Nach Angaben der Armee war das Mitglied der radikal-islamischen Hamas für einen Anschlag auf einen israelischen Siedler verantwortlich gewesen. Drei weitere mutmaßliche Täter seien festgenommen worden. Den Palästinensern wird vorgeworfen, am 1. Juli war auf ein Fahrzeug geschossen zu haben. Bei dem dadurch verursachten Unfall kam der Fahrer ums Leben, drei Familienmitglieder wurden verletzt.

Polen-ReisePapst besucht Weltjugendtag in Krakau

Papst Franziskus wird heute zu seinem ersten Besuch in Polen erwartet. Schwerpunkt seiner fünftägigen Reise ist der Weltjugendtag in Krakau, zu dem bis zu zwei Millionen Teilnehmer aus aller Welt erwartet werden. Zum Auftakt seiner Reise trifft er zunächst Präsident Duda und Regierungschefin Szydlo. Außerdem will Franziskus den Pilgerort Tschenstochau und das frühere deutsche Vernichtungslager Auschwitz besuchen. Am Wochenende liest der Papst die Abschlussmesse des Weltjugendtags, der gestern Abend mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel feierlich eröffnet worden war.

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US-Demokraten Clinton als Präsidentschaftskandidatin nominiert

Anhänger von Hillary Clinton auf dem Nominierungsparteitag der US-Demokraten. (AFP / Robyn Beck)

Die US-Demokraten haben die frühere Außenministerin Hillary Clinton offiziell als Kandidatin für die Präsidentenwahl nominiert. Clinton erhielt auf dem Parteitag in Philadelphia eine deutliche Mehrheit.

Anschlag in der Normandie Ein Täter wurde mit Fußfessel überwacht

Ein Mädchen betet am Rathaus von Saint-Étienne-du-Rouvray in der Normandie, wo zwei Attentäter einen Priester getötet hatten. (AFP / Charly Triballeau)

Ermittler haben einen der beiden Attentäter identifiziert, die in einer nordfranzösischen Kirche einen Priester umgebracht haben. Der 19-Jährige habe bereits wegen Terrorverdachts in Untersuchungshaft gesessen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Mit Philosophie gegen Terror Raus aus dem Strudel der Eilmeldungen

Eine Person tippt auf der Tastatur eines Laptop Computers. (imago / Jochen Tack)

Durch unser Reden zwingen wir Verbrechen in eine Notwendigkeit, die sie nicht haben müssten, kommentiert Jan Drees. Es sei nicht erst die Tat gewesen - und dann die Timeline. Es sei exakt andersherum. Und überall werde gewarnt, die Heroisierung der Täter zu unterlassen, während gleichzeitig das Gegenteil geschehe.

Partei-Kritik an Sahra Wagenknecht "Flüchtlinge sind nicht mehr kriminell als Deutsche"

INTERVIEW Die Äußerungen von Fraktionschefin Sahra Wagenknecht zur Flüchtlingspolitik seien zu kritisieren und müssten diskutiert werden, sagte Linken-Innenpolitikerin Ulla Jelpke im DLF. Wer die Sicherheitsfrage einzig und allein mit Flüchtlingen verbinde, gebe Rechtspopulisten die Möglichkeit zur Hetze.

Strafen für Defizitsünder "Belastung der Wirtschaft zum ungünstigsten Zeitpunkt"

Der Ökonom Max Otte (dpa / picture-alliance / Erwin Elsner)

INTERVIEW Die EU-Kommission entscheidet heute über Strafen für die Haushalts-Defizitsünder Spanien und Portugal. Der Ökonom Max Otte warnte, beide Länder steckten noch tief in der Krise. Strafen könnten die Wirtschaft in beiden Ländern deshalb belasten, sagte er im Deutschlandfunk.

Türkei "Die Künstler sind im Stand-by-Modus"

Der Theatermacher Nurkan Erpulat, Hausregisseur im Berliner Maxim Gorki Theater, aufgenommen 2012 (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)

INTERVIEW Es war eine kriegsähnliche Situation, berichtet der Theaterregisseur Nurkan Erpulat im Rückblick auf den niedergeschlagenen Putschversuch in der Türkei. Seit den Gezi-Protesten werde jede laute Stimme der Opposition erstickt, sagte er im DLF. Doch Erpulat will auf die Ereignisse seine eigene künstlerische Antwort geben.

Fluglotsen Existenzielle Gefahren

Vor untergehender Sonne startet ein Verkehrsflugzeug in den Abendhimmel. (dpa)

KOMMENTAR Das Urteil des Bundesarbeitsgerichts zum Streik der Fluglotsen sei ein Paukenschlag, kommentiert Brigitte Scholtes. Es sei ein Sieg für die Arbeitgeber und könne die Existenz der Gewerkschaften durchaus gefährden.

"Parsifal" in Bayreuth Den Glauben in die Tonne kloppen

Eine Gruppe von Männern auf einer Theaterbühne stehen um einen aus einzelnen Wunden blutenden Mann herum. Die Operlamm-Szene. (Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath)

Opern-Regisseur Uwe Eric Laufenberg macht es sich zu einfach, wenn er in seiner Bayreuther Inszenierung den Parsifal auf eine einfache Botschaft herunterbricht: Religion ist Teufelswerk. Dabei macht das Orchester seine Sache gut. Und Klaus Florian Vogt als Parsifal intoniert seinen Part wie ein schönes Lied.

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Wirtschaft

Brexit und die Folgen Der Druck auf die Wirtschaft ist hoch

Zwei Arbeiter in der britischen Stahlfirma "Forgemasters International Ltd". in Sheffield. (AFP  / OLI SCARFF)

Der Brexit kommt – wenn er kommt – frühestens in zwei Jahren; die neue britische Premierministerin Theresa May will den Austritt aus der EU nicht vor 2017 beantragen. Noch ist also eigentlich nichts passiert. Aber in der britischen Wirtschaft hat sich die Stimmung bereits massiv verschlechtert.

Wissen

China Der Klimasünder erreicht den "Peak Coal"

Kohlekraftwerk (dpa/picture-alliance/ Ding Dong)

"Peak Oil" - unter diesem Schlagwort wird diskutiert, wie lange die Erdöl-Vorräte noch reichen. Auf jeden Fall: Kohle ist viel mehr da. Entsprechend gibt es kaum Debatten über den "Peak Coal. Doch in China soll der vermeintliche Gipfel der Kohlenutzung kürzlich erreicht worden sein, sagen Forscher.

Europa

Erstes 3-D-Restaurant Leckeres aus dem Drucker

Essbare, im 3-D-Drucker erstellte Form, gefüllt mit Rindertatar (Foodink)

Acht 3-D-Drucker und zehn Gäste. In London fand gestern Abend eine Dinner-Party der besonderen Art statt, denn das Essen wurde nicht gekocht, sondern gedruckt. Auch Tische, Stühle und Besteck waren so hergestellt worden. Die Gastgeber sind davon überzeugt, dass das die Zukunft der gehobenen Gastronomie sein wird.

Kultur

"Music in Afrika" Eine Branche macht sich auf den Weg

Sie sehen einen Tablet-PC mit Bildern afrikanischer Musiker. (Seta Ramaroson / Madagaskar)

In Afrika gibt es noch keine gut strukturierte Musikindustrie. Um Kenntnisse und Kooperationen zu vertiefen, ist seit 2014 das Projekt "Music in Africa" online. Dahinter stehen Siemens-Stiftung und Goethe-Institut. Der Clou: jeder kann seine Inhalte selbst schreiben und gestalten.

Literatur

Durs Grünbein Wiederauferstandene Kindheit

Porträt von Durs Grünbein, Schriftsteller, Autor und Essayist (picture alliance / dpa/ Erwin Elsner)

In seinem Buch "Die Jahre im Zoo" zeigt sich Durs Grünbein von der autobiografischen Seite. Der Dichter erinnert sich darin an seine Kindheit in der Gartenbaukolonie Hellerau bei Dresden. Eine Schlüsselfunktion spielen dabei zwei Träume. Doch entscheidend für den Weg ins Leben ist der Großvater.

Cailloux' Haschgeschichten Zwischen Pot und Protest

Eine Joint und Marihuana (Imago)

Schriftsteller Bernd Cailloux legt mit "Surabaya Gold" seinen fünften Erzählungsband vor – Haschischgeschichten verheißt der Untertitel. Darin begegnet man ständig kleinen und größeren Runden, die zusammensitzen und kiffen. Und die auf der Suche nach dem Eigentlichen der Existenz sind.

Gesellschaft

Bremen Die Pfandbeauftragten

Ein Mann mit blauer Schutzweste zieht einen Plastikbehälter, der gefüllt ist mit leeren Pfandflaschen, durch einen Gang auf einem Flughafen. Spende dein Pfand - heißt die Aktion. (Deutschlandfunk/Almuth Knigge)

Schon seit 2006 dürfen Reisende keine Flaschen mit Flüssigkeiten mehr mit ins Flugzeug nehmen. Für Pfandsammler eine gute Nachricht, auch wenn die Flughäfen es nicht gern sahen. Heute gibt es am Flughafen Bremen fest angestellte Pfandbeauftragte - zum Beispiel Stipo aus Kroatien.

Sport

Russland Ignorieren, Leugnen, Verschweigen

Sie sehen den russischen Präsidenten Wladimir Putin (rechts) und Sportminister Vitaly Mutko. (picture-alliance / dpa / Mikhail Metzel)

KOMMENTAR Russland fehle ein Unrechtsbewusstsein - nicht nur im Sport, kommentiert Gesine Dornblüth. Es sei nicht üblich, Fehler einzugestehen. Schon gar nicht das gesamte Ausmaß. Solange das aber nicht geschehe, seien von Moskau keine entscheidenden Schritte gegen das Doping zu erwarten.

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