28. Mai 2016

 

Die Nachrichten

Nach EntführungJournalistin in Kolumbien wieder freigelassen

In Kolumbien ist eine Journalistin eine Woche nach ihrer Entführung freigelassen worden. Die Spanierin sei nach ihrer Übergabe an zwei Priester erschöpft, aber in gutem Gesundheitszustand, sagte der örtliche Bischof einem Radiosender. Derzeit wolle sie keine Erklärungen abgeben. Auch zwei weitere verschleppte Journalisten kamen frei. Die kolumbianische Regierung macht die Guerilla-Organisation ELN für die Entführung verantwortlich. Verteidigungsminister Villegas hatte gedroht, die geplanten Friedensgespräche würden bis zu einer Freilassung verschoben. Mit der größten Guerilla-Gruppe des Landes, der FARC, verhandelt die Regierung bereits seit mehr als drei Jahren. Der Krieg zwischen Rebellen, Armee und rechten Paramilitärs in Kolumbien dauert seit den 60er Jahren an. Seither wurden 340.000 Menschen getötet. Die ELN ist weit kleiner als die FARC und verfügt über rund 2.000 Kämpfer.

ArgentinienHaftstrafen für ehemalige Militärherrscher

In Argentinien sind 15 ehemalige Armeeangehörige wegen der Verfolgung von Oppositionellen zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Das Gericht in Buenos Aires stufte dabei erstmals die als "Operation Condor" bekannte Zusammenarbeit mehrerer Diktaturen in Südamerika als Bildung einer kriminellen Vereinigung ein. Militärs und Geheimdienste der Länder hatten in den 1970er und 1980er Jahren zusammengearbeitet. Der letzte argentinische Militärherrscher, Bignone, wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Er sei schuldig, maßgeblich an der kriminellen Vereinigung teilgenommen zu haben, die für mehr als hundert Morde verantwortlich sei, hieß es zur Begründung. Die anderen Beklagten erhielten Haftstrafen zwischen acht und 25 Jahren. Die Opfer der Verurteilten waren Uruguayer, Chilenen, Paraguayer, Bolivianer und Argentinier, die in Zusammenarbeit der damaligen Diktaturen verschleppt, gefoltert und ermordet wurden.

Innere SicherheitIMK-Chef Bouillon (CDU) für mehr Videoüberwachung

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Bouillon, spricht sich für einen deutlichen Ausbau der Videoüberwachung aus. Diese helfe immer wieder dabei, Straftaten aufzuklären, sagte der saarländische Ressortchef der Zeitung "Die Welt". Solche Aufnahmen trügen dazu bei, Verbrecher zu finden und zu überführen. In vielen Fällen ließen sich auch weitere Straftaten oder auch Anschläge vereiteln. Zudem sprach sich der CDU-Politiker im Kampf gegen Einbruchskriminalität für eine gemeinsame europäische Datenbank aus. Man habe es oftmals mit reisenden Banden zu tun, die sehr professionell organisiert und technisch gut ausgerüstet seien. Hier habe man bereits die Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten, den Bundesländern sowie dem Bundeskriminalamt verbessert.

MittelmeerrouteSeit Jahresbeginn 40.000 Migranten in Italien angekommen

Die Flucht über das Mittelmeer nach Europa nimmt nach Presseinformationen wieder deutlich zu. Allein in Italien seien seit dem Jahreswechsel rund 40.000 Migranten angekommen, schreibt die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf ein vertrauliches Papier zur Lage in Süd- und Südost-Europa. Die meisten setzten demnach von Libyen aus über, andere starteten an der ägyptischen Küste. Nur wenige kämen mit ihren Booten aus Tunesien oder der Türkei nach Europa. Dem Bericht zufolge kommen die Menschen fast ausschließlich aus afrikanischen Ländern.

"Beobachten Teilverrohung"De Maiziere fordert Debatte über Hasskommentare und Beleidigungen

Bundesinnenminister de Maizère fordert eine gesellschaftliche Debatte über anonyme Beleidigungen und Hasskommentare im Internet. Anonymität in der Kommunikation sei gerade im Netz kein Fortschritt für die demokratische Kultur, sagte der CDU-Politiker der Funke Mediengruppe. De Maizière sprach in diesem Zusammenhang von einer - Zitat - "Vermummung", die online genauso falsch sei wie auf einer öffentlichen Demonstration. So führe das Bekenntnis zum eigenen Namen zur Mäßigung im Umgang mit der Sprache, meinte der Innenminister. Derzeit sei eine "Teilverrohung" zu beobachten, in der die Hemmschwelle sinke, jemanden zu beleidigen. Über dieses Thema müsse in der Gesellschaft gesprochen werden.

UNO-FriedenseinsätzeKoenigs (Grüne) für mehr deutsches Engagement auch mit Polizei

Der Grünen-Politiker Koenigs plädiert für ein größeres Engagement Deutschlands für Friedenseinsätze der Vereinten Nationen. Bei Blauhelmeinsätzen gebe es etwa noch Nachholbedarf, sagte der Bundestagsabgeordnete der "Frankfurter Rundschau". Zugleich sprach sich Koenings dafür aus, mehr deutsche Polizisten zum Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen in Krisenregionen zu entsenden. Die Grünen hätten "erst spät entdeckt, dass die Polizei ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit" sei. Allerdings müsse für Auslandseinsätze das Dienstrecht reformiert werden, betonte Koenigs. So dürften Beamten etwa keine Nachteile bei Beförderungen erleiden, nur weil sie eine Zeit lang nicht in ihrer Behörde gewesen seien.

LinksparteiFlüchtlingspolitik Thema bei Parteitag in Magdeburg

Die Partei Die Linke berät ab heute in Magdeburg über ihren Kurs bis zur Bundestagswahl im kommenden Jahr. Im Leitantrag des Vorstands wird unter anderem eine "Gegenbewegung gegen Rassismus" gefordert. Auf dem zweitägigen Parteitag stellen sich zudem die beiden Vorsitzenden Kipping und Riexinger zur Wiederwahl. In den vergangenen Tagen hatten sich führende Mitglieder eine Strategiedebatte geliefert. Der frühere Fraktionschef Gysi warf der Partei vor, sie sei kraftlos. Die Parteispitze wies dies zurück. Riexinger räumte aber mögliche Versäumnisse in der Flüchtlingspolitik ein. So sei es der AfD gelungen, die soziale Unzufriedenheit mit der Migrationsfrage zu verknüpfen, sagte er der "taz". Aufgabe der Linken sei es nun, Erwerbslose und Arbeiter zurückzugewinnen.

MedienGesetzentwurf zu Anti-Terror-Maßnahmen

Die Bundesregierung plant neue Anti-Terror-Maßnahmen. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg zitiert aus einem Gesetzentwurf, der den Behörden größere Befugnisse im Kampf gegen internationale Kriminalität einräumen würde. Wer etwa ein Prepaid-Handy kauft, soll demnach künftig seinen Ausweis vorlegen müssen. Zur Begründung heißt es, gefälschte Daten beim Kauf solcher Geräte seien "Erscheinungen mit Massencharakter". Der Gesetzentwurf schafft ferner die Grundlage dafür, dass Geheimdienste künftig grenzüberschreitend enger zusammenarbeiten könnten.

KatholikentagTTIP und Nationalismus in Europa im Fokus

Auf dem Katholikentag in Leipzig wird heute über TTIP und einen erstarkenden Nationalismus in Europa debattiert. Zur Podiumsdiskussion über das umstrittene Freihandelsabkommen mit den USA wird EU-Kommissar Oettinger erwartet. Aus diesem Anlass haben TTIP-Gegner zu einer Demonstration aufgerufen. Die Veranstalter des Katholikentages setzten zudem eine Diskussionsrunde zu Populismus, Nationalismus und der Neuen Rechten in Europa an. Diese füllt den bis zuletzt offen gehaltenen Tagesordnungspunkt, der mit einem aktuellen Thema besetzt werden sollte. Der 100. deutsche Katholikentag geht morgen zu Ende.

BrasilienExperten fordern wegen Zika-Virus Verschiebung von Olympia

150 internationale Gesundheitsexperten haben wegen des Zika-Virus eine Verschiebung oder Verlegung der Olympischen Spiele von Rio de Janeiro gefordert. Die Sportveranstaltung im August könne die Ausbreitung der Krankheit weltweit beschleunigen, schreiben sie in einem Brief an die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die erwarteten 500.000 ausländischen Touristen könnten sich infizieren und das Virus in ihre Heimatländer tragen. - Zika steht im Verdacht, bei Föten zu schweren Schädelmissbildungen zu führen.

Nach oben zurückspringen

Linksparteien in Europa Jeder kämpft für sich

Die Politiker der Europäischen Linken Theodoros Paraskevopoulos (Syriza), Maite Mola (Vereinigte Linke/Izquierda Unida), Bernd Riexinger, Pierre Laurent (Kommunistische Partei Frankreichs/PCF), nebeneinander stehend. (dpa/picture alliance/Stephanie Pilick)

Die Linkspartei trifft sich am Wochenende in Magdeburg zum Parteitag. Die Wiederwahl von Katja Kipping und Bernd Riexinger gilt als sicher. Doch wie steht es um die Zusammenarbeit der linken Parteien im Europäischen Parlament? Die Verweigerung gegenüber TTIP ist das einigende Band - aber wofür steht die europäische Linke außerdem?

Foltervorwürfe Ukraine verweigert UNO-Komitee den Zutritt

Ein Keller in Dscherhinsk - hier wurden Zivilisten und Angehörige der ukrainsichen Armee bzw. Freiwilligen-Bataillone festgehalten und gefoltert. (Von der Hilfsorganisationen "Recht auf Frieden im Donbass" zur Verfügung gestellt)

Die Menschenrechtsverletzungen im Kriegsgebiet in der Ostukraine halten an. Die Verbrechen sollen geahndet werden, sämtliche Dokumente stapeln sich in Den Haag und Straßburg. Kiew will die Strafverfolgung - doch von Kontrollen auf eigenem Territorium halten die ukrainischen Behörden offenbar nicht besonders viel.

Flüchtlingsdebatte auf dem Katholikentag Christen sind nicht automatisch bessere Menschen

KOMMENTAR Die meisten Kirchen in Deutschland erheben regelmäßig ihre Stimme für die Flüchtlinge. Das bedeute jedoch nicht, dass das Kirchenvolk bei der Thematik nicht gespalten sei, kommentiert Rainer Brandes. Ressentiments gegenüber den vermeintlich Fremden seien unter den Mitgliedern der Kirchen weiter verbreitet als es die Kirchenleitungen wahrhaben wollten.

IS-Terror im Irak Menschen aus Mossul müssen fliehen - nach Syrien

Flüchtlingscamp in Hasaka (Bild von 2014) - hier landen viele Flüchtlinge aus dem Irak nach ihrem Fußmarsch. (afp / Ahmad al-Rubaye)

Die Dschihadistenmiliz IS terrorisiert auch die irakische Stadt Mossul. Die Bewohner müssen die Stadt verlassen - und fliehen nun zu Fuß nach Syrien. "Das muss man sich klarmachen: Wir haben Flüchtlinge, die nach Syrien fliehen", sagte eine Sprecherin des UNO-Flüchtlingshilfswerk mit Blick auf die Kriegszustände dort.

Chinesische Übernahmen Die Bundesregierung schläft

Ein Mitarbeiter baut am 6.12.2013 in Xiamen (China) im Werk der Kion Gruppe einen Gabelstapler der Marke Linde (dpa / picture-alliance / Andreas Landwehr)

KOMMENTAR Kaufen uns die Chinesen mit ihrer derzeitigen Übernahmeoffensive die Zukunft weg? Nein, meint Klemens Kindermann. Allerdings müsse es die Bundesregierung aufwecken, dass die Asiaten nicht mehr nur auf klassische deutsche Maschinenbauer zielten, sondern auf Hochtechnologie-Spezialisten. Berlin müsse sich darum kümmern, dass die Umstellung der deutschen Wirtschaft auf eine Industrie 4.0 gelinge. Das mache sie aber nicht.

Großer Basar in Teheran Hühnermilch und Weltpolitik

Sie sehen viele Menschen am Haupteingang des Basars von Teheran. (Deutschlandradio / Jörg-Christian Schillmöller)

Der Teheraner Basar gilt als größter der Welt. Hier kannst Du die Milch des Huhnes kaufen, sagen sie - sprich: das Unmögliche. Jörg-Christian Schillmöller hat den Basar für den DLF mit dem Dokumentarfilmer Reza Khanlari besucht. Er entdeckte eine vertraute und zugleich fremde Welt - und fragte die Händler: Spüren Sie das Ende der Sanktionen?

Deutscher Ärztetag "Landarztquote" stößt auf Ablehnung

Der Landarzt Wolfgang Dinslage behandelt am 31.01.2012 in seiner Praxis in Merzenich bei Düren einen Patienten. (dpa / Oliver Berg)

Der Deutsche Ärztetag lehnt eine "Landarztquote" gegen den Ärztemangel auf dem Land ab. Nur die wenigsten Bewerber könnten schon vor ihrem Studium einschätzen, welche Fachrichtung sie später einschlagen und ob sie auf dem Land arbeiten wollten, hieß es zur Begründung. Medizin-Studenten sehen das ähnlich.

Tincon-Festival für digitale Jugendkultur "Jugendliche benutzen völlig anderes Internet als Erwachsene"

INTERVIEW Nach der "Re:Publica" starten Tanja und Johnny Häusler jetzt die "Tincon" als erstes Festival für digitale Jugendkultur in Berlin. Im DLF erzählen die beiden Festival-Macher, warum das Internet der Jugendlichen nicht mehr das Internet der Erwachsenen ist und wie sie das von ihren eigenen Kindern erst lernen mussten.

Theaterauszeichnung Wolfram Höll gewinnt zum zweiten Mal Dramatikerpreis

Der Autor Wolfram Höll.  (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)

Der Mülheimer Dramatikerpreis ist eine der begehrtesten Theaterauszeichnungen Deutschlands. In diesem Jahr konnte sich die Jury kaum entscheiden. Am Ende gewann wieder Wolfram Höll, einer der meistgespielten Theaterautoren der Gegenwart. Der 30-Jährige überzeugte mit seinem berührenden Stück "Drei sind wir".

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Wirtschaft

Kaufofferte aus China Milliardengebot spaltet Kuka-Aktionäre

Besucher am Messe-Stand des Unternehmens Kuka während der "China International Industry Fair 2015" in Shanghai.  (picture alliance / dpa / Imaginechina)

Der chinesische Konzern Midea hat für den deutschen Roboterbauer Kuka ein milliardenschweres Kaufangebot abgegeben. Auf der Hauptversammlung äußerte sich Kuka-Vorstandschef Till Reuter vorsichtig positiv über den Vorstoß der Chinesen. Unter den kleineren Anlegern dominierte Skepsis.

Wissen

Wasserknappheit Staudämme statt Gletscher?

Blick auf das Ödenwinkelkees in der Weißsee Gletscherwelt in den österreichischen Alpen. (dpa/picture alliance/Frank Baumgart)

INTERVIEW Überall auf der Welt schmelzen Gletscher. Damit geht eine wichtige Funktion verloren: die Fähigkeit Wasser zu speichern und es kontinuierlich über die trockenen Sommermonate abzugeben. Viele Forscher prognostizieren daher eine zunehmende Wasserknappheit in Flüssen. Schweizer und italienische Forscher haben jetzt untersucht, ob sich dieser Effekt abmildern lässt. Der Studienleiter im DLF-Interview.

Europa

Frankreich Wie sicher sind die französischen Atomkraftwerke?

Das Atomkraftwerk in Fessenheim in Frankreich (dpa / picture-alliance / Patrick Seeger)

Die französische Atomaufsicht hat ihren Jahresbericht vorgelegt - und den Kraftwerken im Land insgesamt gute Noten ausgestellt. Doch Behördenchef Chevet gab auch zu, dass seine Behörde bei der Aufgabe, die französischen Kernkraftanlagen zu überwachen, zunehmend überlastet sei.

Kultur

Paul McCartney im BBC-Interview Nach den Beatles kam der Absturz

Paul McCartney vor einem Auftritt im in Covent Garden London, 2013.

Er hing an der Flasche, war depressiv und wollte die Musik ganz aufgeben: Paul McCartney spricht in der BBC ungewöhnlich offen über seine Probleme nach der Auflösung der Band. Er nutzt das Interview auch für eine Liebeserklärung an die Frau, die ihn damals rettete.

Literatur

Kritikergespräch Zeitgenössisches aus Schweden und Frankreich

Eine Collage zweier Farbportäts der Schriftstellerinnen Katarina Frostenson und Cécile Wajsbrot (Imago/Imago Stock stock&people)

Daniela Seel und Nico Bleutge, zwei der renommiertesten deutschen Lyriker der Gegenwart, richten ihr literaturkritisches Augenmerk auf zeitgenössische Literatur aus Schweden und Frankreich. Besprochen werden neue Bücher von Cécile Wajsbrot und Katarina Frostenson.

Gesellschaft

Katholikentag Als Mann und Frau und … schuf er sie

Ein grün leuchtendes Toiletten-Hinweisschild hängt auf dem Messegelände in Frankfurt am Main unter der Decke (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)

Gender ist gerade für konservative Christen ein Reizwort - sie sehen dadurch Gottes Schöpfungsplan in Frage gestellt. Doch die Veränderungen der Geschlechterbilder machen nicht vor den Toren der Kirche Halt. Zwei große Podien widmen sich auf dem Katholikentag in Leipzig dem Thema Gender. Unsere Reporterin hatte deutlich mehr Streit erwartet.

Sport

Olympisches Komitee 23 positive Doping-Nachtests der Spiele in London 2012

Szene aus dem Halbfinale über 200 Meter bei den Olympischen Sommerspielen in London 2012 (dpa / picture-alliance / Michael Kappeler)

23 Sportler, die an den Olympischen Sommerspielen 2012 in London teilgenommen haben, sind nachträglich positiv auf Doping getestet worden. Das Internationale Olympische Komitee hatte 265 Nachtests vorgenommen - die Namen der überführten Athleten wurden nicht genannt.

Programm