25. Juli 2016

 

Die Nachrichten

JapanZahlreiche Tote und Verletzte bei Messerattacke

Bei einer Messerattacke im japanischen Sagamihara westlich von Tokio soll ein Mann zahlreiche Menschen getötet und verletzt haben. Wie der Fernsehsender NHK unter Berufung auf die Polizeibehörden berichtet, soll es mindestens 15 Tote und 45 Verletzte geben. Der Angriff soll in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung geschehen sein.

TürkeiErdogan wirft der EU Wortbruch beim Flüchtlingspakt vor

Der türkische Präsident Erdogan hat der Europäischen Union Wortbruch beim Flüchtlingspakt vorgeworfen. Die EU habe ihre finanziellen Versprechungen zur Unterstützung der rund drei Millionen syrischen Flüchtlinge nicht eingehalten, sagte er im ARD-Fernsehen. Von den zugesagten drei Milliarden Euro seien bisher nur symbolische Summen eingetroffen. Erdogan sprach sich erneut für die Wiedereinführung der Todesstrafe aus. Als Präsident habe er dazu zwar nicht die Befugnis. Er müsse aber das Volk anhören, und dieses wolle die Todesstrafe. Ob der nach dem gescheiterten Militärputsch verhängte Ausnahmezustand verlängert wird, ließ Erdogan offen. Man müsse sehen, wie sich die Situation entwickele. Wenn es eine Normalisierung gebe, brauche man keine weiteren drei Monate. Der Ausnahmezustand war vergangenen Donnerstag verhängt worden. Damit wurde Erdogan ermächtigt, weitgehend per Dekret zu regieren. Seit dem Putschversuch wurden nach offiziellen Angaben mehr als 13.000 Verdächtige festgenommen.

Ansbach-AnschlagAsylbewerber erhielt vor der Tat Abschiebeanordnung

Der Attentäter von Ansbach hat nach Angaben des bayerischen Innenministers Herrmann kurz vor dem Anschlag eine Abschiebeanordnung erhalten. Ob die Anordnung seine Pläne beschleunigt habe, sei aber Spekulation, sagte der CSU-Politiker der ARD. Der 27-jährige Syrer hatte sich gestern bei einem Festival in die Luft gesprengt. 15 Menschen wurden verletzt. Der Attentäter war über Bulgarien als Asylbewerber in die EU eingereist. Auf seinem Mobiltelefon soll sich ein Video befinden, das einen islamistischen Hintergrund nahelegt. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat beanspruchte die Urheberschaft des Anschlags für sich. Der Attentäter sei einem Aufruf des IS gefolgt, heißt es.

MünchenFestgenommener Bekannter des Amokläufers wieder frei

Der drei Tage nach dem Amoklauf von München festgenommene Bekannte des Täters ist wieder freigelassen worden. Der Ermittlungsrichter sei dem Antrag auf Erlass eines Haftbefehls wegen Verdunkelungsgefahr nicht gefolgt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der 16-Jährige hatte sich nach dem Amoklauf bei der Polizei gemeldet. Den Ermittlern zufolge hatte er den späteren Amokläufer im vergangenen Jahr in der Psychiatrie kennengelernt und dort mitbekommen, dass dieser den norwegischen Massenmörder Breivik verehrt und von Hass auf Menschen gesprochen habe. Am Freitag Abend hatte ein 18-jähriger Amokläufer neun Menschen und danach sich selbst getötet.

US-DemokratenNominierungsparteitag in Philadelphia eröffnet

In Philadelphia sind die US-Demokraten zu ihrem Nominierungsparteitag zusammengekommen. Mehr als 4.700 Delegierte wollen im Laufe des viertägigen Konvents die frühere Außenministerin Clinton zur Präsidentschaftskandidatin küren. Der unterlegene Kandidat Sanders rief seine Anhänger dazu auf, Clinton ebenfalls zu unterstützen. Hunderte Menschen demonstrierten am Rande der Veranstaltung indes für Sanders. Der Parteitag wird von der Veröffentlichung parteiinterner E-Mails überschattet. Die Dokumente sollen angeblich den Vorwurf untermauern, dass Teile des Vorstands eine Kandidatur Clintons von vornherein begünstigt hätten. Inzwischen ermittelt die Bundespolizei FBI in dem Fall. Unmittelbar vor dem Parteitag verzichtete die scheidende Parteivorsitzende Wasserman Schultz auf die Leitung der Veranstaltung.

SicherheitsdebatteDe Maizière warnt vor Generalverdacht gegen Flüchtlinge

Bundesinnenminister de Maizière hat davor gewarnt, Flüchtlinge nach den jüngsten Bluttaten unter Generalverdacht zu stellen. Die Sicherheitsprobleme müssten sauber getrennt werden von der Opferrolle vieler Flüchtlinge, sagte der CDU-Politiker im ZDF. Um Taten wie in Ansbach und Würzburg zu verhindern, müsse man noch mehr Wissen über Menschen sammeln, die gefährlich werden könnten. Bayerns Ministerpräsident Seehofer kündigte an, mehr Polizisten einzustellen. Die Sicherheitslage sei ernst und bedrohlich, sagte der CSU-Vorsitzende dem "Münchner Merkur". Seehofer stellte auch die bisherigen Abschieberegeln in Frage. Morgen kommt die Landesregierung zu einer mehrtägigen Klausur in der Nähe des Tegernsees zusammen. Hauptthema dürfte die Sicherheitspolitik sein.

KalifornienWaldbrände weiter außer Kontrolle

Im US-Bundesstaat Kalifornien toben Waldbrände auf einer Fläche von 120 Quadratkilometern. Nördlich von Los Angeles wurden nach Behördenangaben 18 Gebäude zerstört. Die Bewohner von 10.000 Häusern wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Die Brände waren am Freitag in einem Canyon ausgebrochen und hatten sich begünstigt von Wind, Hitze und jahrelanger Trockenheit ausgebreitet. Auch ein zweiter Waldbrand ist noch nicht unter Kontrolle. In der Region Big Sur an der kalifornischen Zentralküste brannten sechs Häuser ab.

OlympiaWhistleblowerin Stepanowa nennt Rio-Ausschluss unfair

Die russische Leichtathletin und Doping-Kronzeugin Stepanowa hat ihren Ausschluss von den Olympischen Spielen in Rio als unfair bezeichnet. Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees basiere auf falschen und unwahren Aussagen, erklärte sie. Dadurch würden Whistleblower in Zukunft davon abgehalten, mit Enthüllungen an die Öffentlichkeit zu treten. Das IOC hatte gestern entschieden, dass Athleten mit einer Doping-Vergangenheit nicht an den Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Grundsätzlich können russische Sportler aber antreten, wenn sie internationalen Sport-Fachverbänden beweisen, nicht gedopt zu haben. Heute schloss der Schwimm-Weltverband sieben russische Schwimmer aus. Die nominierten Reiter, Judoka und Tennisspieler dürfen dagegen teilnehmen. Der russische Sportminister Mutko rief den Leichtathletik-Weltverband erneut dazu auf, alle sauberen russischen Leichtathleten starten zu lassen.

StuttgartAfD-Fraktionen wollen sich rasch wieder zusammenschließen

Die AfD in Baden-Württemberg strebt eine rasche Zusammenführung ihrer beiden Fraktionen im Stuttgarter Landtag an. Der Landesvorsitzende Meuthen sagte der FAZ, vor dem Parteikonvent Mitte August sollte es eine Einigung geben. Andernfalls käme es zu einer gefährlichen Zerreißprobe. Ähnlich hat sich auch der Chef der Rest-AfD-Fraktion, Merz, geäußert. Die Fraktion hatte sich im Streit über den Umgang mit dem Abgeordneten Gedeon gespalten. Ihm wird Antisemitismus vorgeworfen. Nach einem Gutachten, das der Landtag in Auftrag gegeben hatte, ist die aus der AfD-Fraktion ausgetretene Gruppe um Meuthen eine reguläre eigenständige Fraktion. Einer speziellen Anerkennung durch den Landtag bedürfe es nicht. Zwar könne prinzipiell die Gründung von Parallelfraktionen untersagt werden, dies sei aber nicht rückwirkend möglich.

Kultur105. Bayreuther Festspiele eröffnet

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen sind heute die 105. Bayreuther Festspiele eröffnet worden. Das Festspielhaus wurde von einem großen Polizeiaufgebot gesichert. Besucher und Gäste mussten ihre Taschen kontrollieren lassen. Nach den Bluttaten von Ansbach, München und Würzburg hatte die Stadt Bayreuth den sonst üblichen roten Teppich für die Prominenz gestrichen. Der bayerische Ministerpräsident Seehofer hatte zudem den traditionellen Staatsempfang abgesagt. Zur Eröffnung stand Richard Wagners Oper "Parsifal" in einer Neuinszenierung von Uwe Eric Laufenberg auf dem Spielplan. Laufenberg zeigt Wagners Spätwerk in sakraler Atmosphäre, aber auch mit Anspielungen auf die Flüchtlingskrise.

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Nach den Gewalttaten Vom Wert des Zusammenrückens

Sie sehen eine Menschenmenge von schräg oben herab fotografiert, davor liegen Blumen. (picture-alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

KOMMENTAR München, Würzburg, Ansbach - alle drei Täter hätten in ihrem Umfeld die Perspektive verloren, kommentiert Rolf Clement. Darum müssten wir zusammenrücken und aufmerksamer werden, auf einem schmalen Grat zwischen berechtigtem Warnen und Denunziation.

Russland Ignorieren, Leugnen, Verschweigen

Sie sehen den russischen Präsidenten Wladimir Putin (rechts) und Sportminister Vitaly Mutko. (picture-alliance / dpa / Mikhail Metzel)

KOMMENTAR Russland fehle ein Unrechtsbewusstsein - nicht nur im Sport, kommentiert Gesine Dornblüth. Es sei nicht üblich, Fehler einzugestehen. Schon gar nicht das gesamte Ausmaß. Solange das aber nicht geschehe, seien von Moskau keine entscheidenden Schritte gegen das Doping zu erwarten.

Ansbach "Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund"

Ein Polizist bückt sich, um einen Rucksack aufzuheben. (dpa/picture alliance/Daniel Karmann)

Die Sprengstoffexplosion in Ansbach war nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) ein islamistischer Terroranschlag. In einem Bekennervideo habe der Täter Vergeltung im Namen Allahs angekündigt. Der IS reklamierte die Tat für sich. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.

Ermittlungen in München Mutmaßlicher Mitwisser freigelassen

Der mutmaßliche Mitwisser des Münchner Amokläufers ist nach seiner Festnahme wieder auf freiem Fuß. Der Haftbefehl sei abgelehnt worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der 16-Jährige soll sich kurz vor der Tat mit dem Schützen im Bereich des Tatorts getroffen haben. Beide hatten sich in der Psychiatrie kennengelernt.

IS Die Ingenieure des Terrors

Dschihadisten zündeten Bomben, schossen auf Unbeteiligte oder sprengten sich selbst in die Luft. Doch wer sind die Täter - und wie sind sie zu heiligen Kriegern geworden, wie sie sich selber nennen? Diego Gambetta und Steffen Hertog haben das in ihrem Buch "Engineers of Jihad" untersucht - und Erstaunliches festgestellt.

US-Demokraten Die Schatten von Philadelphia

Sie sehen das Innere des Wells Fargo Center in Philadelphia, Pennsylvania - hergerichtet für den Parteitag der Demokraten. (picture-alliance / dpa / Justin Lane)

Die US-Demokraten halten ihren Nominierungsparteitag ab - eigentlich gedacht als schön choreographierte Show für Hillary Clinton. Doch der Hacker-Angriff auf das Mailsystem der Partei schießt quer: Jetzt ermittelt das FBI.

Türkei "Die haben einen regelrechten Mob auf uns gehetzt"

Die großen Istanbuler Satiremagazine: "Leman" und "Penguen" karikieren die Anweisung an Erdogans Bodyguards, kritische Demonstranten durch lautes Schreien selbst zu übertönen. (Deutschlandradio / Luise Sammann )

Seit dem Putschversuch geht die türkische Regierung massiv gegen Verdächtige vor. Am Montag wurden 42 Journalisten verhaftet. Das Satiremagazin "Leman" leidet schon lange unter Drangsalierungen der Regierung - nach dem Putschversuch bekam die Redaktion die Staatsmacht besonders zu spüren.

Türkei Die Rache des Herrn Erdogan

Wer öffentlich Kritik am türkischen Präsidenten Erdogan übt, muss auf seine Rache oftmals nicht lange warten - zumindest in der Türkei. Doch wer ist der machthungrige Mann aus dem Istanbuler Arbeiterviertel Kasimpasa, der rücksichtslos politische Gegner aus dem Weg räumt? Eine neue Biografie versucht, Antworten zu finden.

Polen Die Macht der Kirche über den Staat

2010 wurde die bislang weltweit größte Jesus-Statue in Swiebodzin gebaut.  (picture-alliance / dpa / Lech Muszynski)

Am Dienstag beginnt in Krakau der Weltjugendtag. Wie in keinem anderen Land der EU nimmt die Katholische Kirche in Polen Einfluss auf die Politik. Sie hat dazu beigetragen, dass die PiS die Wahlen gewann. Und auch bei der Etablierung des "positiven Geschichtsbilds", das die Regierung kreieren will, hilft die Kirche tatkräftig mit. Nach dem Motto: "Gott, Ehre, Vaterland".

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Wirtschaft

Lebensarbeitszeit Deutsche bekommen immer länger Rente

Mehrere ältere Personen sitzen am auf einer Parkbank im Schlosspark Pillnitz (Sachsen).    (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) fordert, dass die Rente später beginnen müsse. Naturgemäß gibt es sowohl Zustimmung als auch Gegenwind für diese Ansicht. Hintergrund der Debatte ist, dass die Deutsche Rentenversicherung neue Zahlen vorgelegt hat - demnach beziehen die Deutschen für immer längere Zeit eine Rente.

Wissen

Schmerzmittel aus dem Rechner Wie Mathematiker neue Medikamente entwickeln

Drei Flaschen Fentanyl in einem Notfall-Paket (Franziska Kaufmann / dpa)

In den USA fordern schmerzstillende Opiate - also Medikamente - mehr Menschenleben als Heroin und Kokain zusammen. Forscher aus Berlin konnten nun eine Struktur des Wirkstoffs Fentanyl entwickeln, die dessen gefährlichen Nebenwirkungen vielleicht eindämmen könnte.

Europa

Wehrpflicht in Norwegen Rekrutinnen rücken in die Kasernen ein

Die norwegischen Reservistinnen Elin Jörgensen (l) und Anne Dugstad überwinden am 2.8.2000 in Berlin beim internationalen CIOR-Militärwettkampf der Reserveoffiziere der NATO-Mitgliedsstaaten und befreundeter Länder eine Balkentreppe auf der Hindernisbahn.  (picture-alliance / dpa/ Jens Kalaene)

Frauen können in europäischen Ländern in der Regel freiwillig bei der Armee arbeiten. Nicht so in Norwegen. Das Land hat als erstes EU-Mitglied Anfang letzten Jahres die Wehrpflicht für Frauen eingeführt. Nun rückten die ersten Rekrutinnen in den Kasernen und auf den Schiffen ein.

Kultur

Wasser-Kunst Pimp my Vogeltränke

Paul DeMarinis (vorne) in seiner Installation "Rain Dance" (Foto: Deutschlandradio - Christoph Ohrem )

Brunnen auf öffentlichen Plätzen haben oftmals etwas gemeinsam: Sie sind eher langweilig. Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe zeigt mit seiner Werkschau "Digitale Wasserspiele", dass das keinesfalls so sein muss.

Literatur

Kate Tempests Debütroman Einsamkeit und Selbsthass

Das britische Multitalent Kate Tempest bei einem Konzert in Barcelona 2015 (imago/ZUMA Press)

Bekannt ist Kate Tempest eigentlich für ihre Rap-Musik und vielleicht auch noch für ihre Lyrik. Nun hat die junge Britin ihr Prosadebüt vorgelegt. "Worauf du dich verlassen kannst" ist ein Stück Literatur, das zeigt, wie einstige Ideale und Ambitionen von Menschen an der harten Wirklichkeit zerbrechen können.

Gesellschaft

Loveparade-Katastrophe Notwendiges Neuland

Eine Gedenkstätte für das Loveparade-Unglück in Duisburg.  (dpa/Monika Skolimowska)

KOMMENTAR Die Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe von vor sechs Jahren sei in ein unwürdiges Schwarzer-Peter-Spiel ausgeartet, kommentiert Moritz Küpper. Warum nicht den Teufelskreis durchbrechen und eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen? Das wäre Neuland - und ein Zeichen an die Opfer.

Sport

IOC-Entscheidung Reaktionen aus Russland

Russlands Sport-Minister Vitaly Mutko am 25.12.2015 bei seiner Pressekonferenz zum Ende des Jahres in Moskau. (picture alliance / dpa / EPA/YURI KOCHETKOV)

Das IOC hat sich gegen einen Komplett-Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen in Rio entschieden. Eine Nachricht, die in Russland vielerorts positiv zur Kenntnis genommen wurde: "Man sieht viele frohe Gesichter", berichtet unsere Moskau-Korrespondentin Gesine Dornblüth.

Programm