Die Nachrichten

KorruptionsvorwürfeAnklage gegen Netanjahu

Der geschäftsführende israelische Ministerpräsident Netanjahu wird wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit angeklagt. Generalstaatsanwalt Mandelblit sagte in Jerusalem, der Schritt erfolge allein auf Grundlage der rechtlichen Beweislage. Einen etwaigen politischen Hintergrund wies er zurück und kritisierte zugleich Anhänger wie Feinde Netanjahus für Kampagnen, die seine Entscheidung hätten beeinflussen sollen. Die Anklage würde Netanjahu nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zum Rücktritt zwingen. Der Likud-Politiker sagte am Abend, er respektiere die Entscheidung der Justiz. Aber man müsse blind sein, zu übersehen, dass die Untersuchungen gegen ihn politisch motiviert seien. In diesem Zusammenhang sprach Netanjahu gar von einem "Putsch". Oppositionsführer Gantz forderte den Premier auf, die politische Verantwortung zu übernehmen. Dieser habe kein Mandat mehr, Entscheidungen zu treffen. Netanjahu wird beschuldigt, einem Unternehmen Gefälligkeiten im Gegenzug für eine positive Berichterstattung gewährt zu haben. Weitere Vorwürfe beziehen sich auf Luxusgeschenke, die Netenajahu und seine Angehörigen im Gegenzug für persönliche Vorteile angenommen haben sollen. Der Likud-Politiker weist alle Vorwürfe zurück. Lesen Sie hier Einschätzungen, was dies nun für seine politische Zukunft bedeuten könnte und was ihm die Justiz genau vorwirft.

IranInternetsperre in vielen Landesteilen aufgehoben

Im Iran ist die wegen der Proteste verhängte Internetsperre in vielen Teilen des Landes wieder aufgehoben worden. Nach iranischen Medienberichten gibt es in der Hauptstadt Teheran sowie in vielen anderen Städten wieder Zugang zum Netz. Der Nationale Sicherheitsrat ordnete demnach an, die Sperre aufzuheben. Er hatte sie am Samstag verhängt. Zuvor hatten die Behörden gemeldet, dass die Proteste gegen die Regierung nachgelassen hätten. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden dabei mehr als 100 Demonstranten getötet. Die Bundesregierung kritisierte den Umgang iranischer Sicherheitskräfte mit den Demonstranten als unverhältnismäßig. Man sei entsetzt über die Zahl der Toten, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin. Das Recht auf friedlichen Protest müsse gewahrt werden.

Europäisches ParlamentAbstimmung über Klimanotstand

Das Europäische-Parlament will in der kommenden Woche darüber abstimmen, ob in Europa der Klimanotstand ausgerufen werden soll. Das Parlamentspräsidium habe den Antrag zugelassen, erklärte der Fraktionschef der Liberalen, Ciolos, in Brüssel. Neben den Liberalen haben auch die Grünen einen solchen Vorschlag eingebracht. Die Ausrufung des Klimanotstands ist ein symbolischer Akt, um Druck für konkrete Gesetze aufzubauen. Der Antrag ist eine Ergänzung zu einem Resolutionsentwurf für die Madrider Weltklimakonferenz im Dezember, über den ebenfalls am kommenden Donnerstag abgestimmt werden soll. Er sieht schärfere europäische Klimaziele vor. So soll bis 2030 der Ausstoß an Treibhausgasen um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 sinken - bisher liegt das Ziel bei einer Reduktion von 40 Prozent. Bundesumweltministerin Schulze unterstützt die Anträge grundsätzlich.

Menschenrechts-Gerichtshof"Transitzonen grundsätzlich erlaubt"

Die Unterbringung von Asylsuchenden in einem Lager direkt an der Grenze, das sie nur in Richtung Nachbarland verlassen können, bedeutet nicht automatisch einen Freiheitsentzug. Das entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Im konkreten Fall ging es um zwei Männer aus Bangladesch, die in einem ungarischen Lager an der Grenze zu Serbien festsaßen. Das Gericht argumentierte, dass sie sich freiwillig an den Ort begeben hätten. Die Männer hätten jederzeit wieder Richtung Serbien ausreisen können. Dorthin waren die Flüchtlinge schließlich abgeschoben worden. (AZ: 47287/15)

Thomas CookUnternehmen löst sich zum Monatsende auf

Neun Wochen nach der Insolvenz stellt der Reiseanbieter Thomas Cook in Deutschland seinen Betrieb zum Monatsende endgültig ein. Das kündigte der Vorstand des in Oberursel ansässigen Veranstalters in einem Schreiben an. Fast 1.000 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Weitere rund 1.100 Menschen arbeiten bei Unternehmensteilen, für die Käufer gefunden wurden.

CDU-ParteitagKramp-Karrenbauer bezeichnet anstehendes Treffen als Meilenstein

Der morgen in Leipzig beginnende CDU-Parteitag wird nach Ansicht von Parteichefin Kramp-Karrenbauer vor allem eine intensive Debatte über das künftige Programm bringen. Das Delegiertentreffen werde ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Jahr 2020, erklärte Kramp-Karrenbauer. Sie erwarte viele Wortmeldungen auch von ihrem Parteikollegen Merz. Die CDU könne jeden klugen Kopf und jede kritische Stimme gut gebrauchen. Merz hatte die Arbeit der Großen Koalition zuletzt kritisiert und angekündigt, sich auf dem Treffen zu Wort zu melden. CDU-Generalsekretär Ziemiak rief dazu auf, interne Personaldebatten zu beenden. Es gehe vielmehr darum, sich auf die Lösungen von Sachthemen zu konzentrieren. Die permanente Selbstbeschäftigung helfe nicht, sagte Ziemiak dem ARD-Fernsehen. Zudem betonte er nach Sitzungen der Parteigremien zur Vorbereitung des Parteitags, dass es bislang keine Initiative gebe, bereits jetzt über den künftigen Kanzlerkandidaten abzustimmen. Führende Christdemokraten wie etwa Bundeslandwirtschaftsminister Klöckner und Parteivize Strobl wandten sich gegen eine Urwahl zur Kanzlerkandidatur. Dies war unter anderem von der Jungen Union gefordert worden.

WashingtonAnhörungen zu Amtsenthebungsverfahren fortgesetzt

Vor dem Kongress in Washington sind die öffentlichen Anhörungen zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Trump fortgesetzt worden. Dabei bestätigte der Berater der US-Botschaft in Kiew, Holmes, den Vorwurf, Trump habe Druck auf die ukrainische Regierung ausgeübt, um Ermittlungen gegen den Sohn seines demokratischen Rivalen Biden zu erzwingen. Die Mitarbeiter in der Botschaft seien schockiert gewesen, als sie erfahren hätten, dass die Militärhilfen für die Ukraine gestoppt worden seien. Die Arbeit sei zunehmend von der politischen Agenda von Trumps Anwalt Giuliani überschattet worden, berichtete Holmes weiter. Befragt wurde auch die frühere Russland-Beraterin des Weißen Hauses, Hill. Sie bezeichnete Äußerungen von Republikanern, nach denen die Ukraine den US-Wahlkampf 2016 beeinflusst haben soll, als Erfindung. Es sei unbestritten, dass vielmehr Russland systematisch Einfluss auf die Wahl genommen habe.

GroßbritannienLabour verspricht sozialen Umbau

Der britische Labour-Chef Corbyn hat für den Fall eines Wahlsiegs einen Umbau des Landes versprochen. Die Löhne im öffentlichen Dienst sollten steigen und Infrastruktur verstaatlicht werden, erklärte Corbyn bei der Vorstellung des Wahlprogramms in Birmingham. Um die veranschlagten Kosten von umgerechnet 97 Milliarden Euro auszugleichen, sollten Unternehmen und Reiche deutlich stärker besteuert werden. Beim Thema Brexit will Corbyn ein neues Abkommen mit der EU aushandeln und es der Bevölkerung in einem Referendum vorlegen. Dabei ist auch die Option vorgesehen, in der Europäischen Union zu bleiben. Corbyn wird auch aus den eigenen Reihen vorgeworfen, beim Brexit keine klare Linie zu verfolgen. Das britische Parlament wird am 12. Dezember neu gewählt.

Nach Anklage-ErhebungWie geht es nun weiter für Netanjahu?

Mitten in die schleppenden Bemühungen in Israel, eine neue Regierung zu bilden, kündigt der Generalstaatsanwalt eine Korruptionsanklage gegen Ministerpräsident Netanjahu an. Was genau wird ihm vorgeworfen - und was bedeutet dies für seine politische Zukunft? Es ist das erste Mal in der Geschichte Israels, dass ein amtierender - wenngleich aktuell lediglich geschäftsführender - Ministerpräsident direkt vor einer Anklage steht. Einen Rücktritt hatte Netanjahu schon vorab ausgeschlossen.

Spiel auf Zeit

Rechtlich gesehen muss er das nach Ansicht von Juval Schani vom Israelischen Demokratie-Institut (IDI) auch nicht. Netanjahu blieben vielmehr nun regulär 30 Tage Zeit, um beim Parlament Immunität vor Strafverfolgung zu beantragen. Schanis Kollege Amir Fuchs (ebenfalls vom IDI) schätzt, dass es bis zu einem etwaigen Prozessbeginn vor dem Jerusalemer Bezirksgericht mindestens ein halbes Jahr dauern könnte. Allerdings verfügt Israel nach der Parlamentswahl im September nach wie vor weder über klare Mehrheiten noch eine neue Regierung. Uneins sind sich Experten daher, inwiefern in der derzeitigen Lage über ein mögliches Immunitätsgesuch Netanjahus überhaupt entschieden werden könnte.

Drohende Haftstrafe

Sollte Netanjahu wegen Bestechlichkeit verurteilt werden, drohen ihm nach Angaben des Rechtsprofessors Gad Barzilai von der Universität Haifa bis zu zehn Jahre Haft. Im Falle einer Verurteilung wegen Betrugs und Untreue wäre die Höchststrafe drei Jahre Gefängnis. Jonathan Rynhold, Politikprofessor an der Bar-Ilan-Universität, sah Netanjahus politische Zukunft bereits im Vorfeld im Falle einer Anklage wegen Bestechlichkeit besiegelt: "Dann bricht seine Position in sich zusammen, das wäre sein Ende", hatte er erklärt.

Die konkreten Vorwürfe

In einem der Fälle geht es um den Verdacht, dass Netanjahu als Kommunikationsminister dem Unternehmen Bezeq rechtliche Begünstigungen gewährt habe. Im Gegenzug soll ein zum Konzern gehörendes Medium positiv über ihn berichtet haben. Netanjahu gab das Ministeramt schließlich ab. Zudem geht es um Vorwürfe, Netanjahu und seine Familie hätten jahrelang von zwei Geschäftsleuten vor allem Zigarren und Champagner im Wert von insgesamt 700.000 Schekel (umgerechnet rund 180.000 Euro) angenommen. Zunächst war von einer Million Schekel (rund 230.000 Euro) die Rede gewesen. Demnach handelte es sich dabei um illegale Schenkungen des Hollywood-Produzenten Arnon Milchan und des australischen Unternehmers James Packer. Im Gegenzug soll Netanjahu sich unter anderem für ein Gesetz starkgemacht haben, das Milchan Steuervergünstigungen in Millionenhöhe verschaffen sollte. Außerdem habe er ihm zweimal dabei geholfen, ein neues US-Visum zu bekommen. Darüber hinaus soll sich Netanjahu durch einen Deal mit einem Medienmogul um eine positivere Berichterstattung in der regierungskritischen Zeitung "Jediot Achronot" bemüht haben. Im Gegenzug habe Netanjahu Hilfe dabei in Aussicht gestellt, den Einfluss der auflagenstarken Gratiszeitung "Israel Hajom" zu schwächen, die lange als sein Sprachrohr galt. Zuletzt hatte sich die Zeitung aber immer wieder auch kritisch über Netanjahu geäußert. (Mit Material der Nachrichtenagentur dpa)

Bündnis für Mobilität"Neue Verkehrskonzepte"

Das gemeinsame Bündnis von Bund, Ländern und Kommunen für Mobilität will umweltfreundliche Verkehrsmittel und den öffentlichen Nahverkehr fördern. Bundesverkehrsminister Scheuer sagte bei der Vorstellung des Bündnisses in Berlin, die Kommunen benötigten neue Konzepte, die den veränderten Mobilitätsanforderungen der Menschen Rechnung trügen. Der Verkehr der Zukunft müsse klimafreundlich, schadstoffarm, sicher und zuverlässig sein. Wichtige Arbeitsbereiche seien daher vor allem der Ausbau von Rad- und Fußwegen sowie des öffentlichen Nahverkehrs, erklärte der CSU-Politiker. Einmal im Jahr soll das Bündnis zu einer großen Konferenz zusammenkommen, bei der sich die Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen über die Fortschritte der geplanten Verkehrswende austauschen. Aus Protest gegen die Verkehrspolitik der Bundesregierung hielten Aktivisten der Nichtregierungsorganisation Attac vor dem Bundesverkehrsministerium Plakate mit der Aufschrift "Mehr Geld für Öffis" in die Höhe. Außerdem gelangten mehrere Demonstranten ins Gebäude und störten Scheuers Rede.

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CDU vor Parteitag Von Reformwillen und Kompromisspolitik

Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesministerin der Verteidigung und CDU-Bundesvorsitzende, und Paul Ziemiak, Generalsekretär der CDU, besichtigen die Halle für den CDU-Bundesparteitag in Leipzig (22. bis 23. November) (dpa/Hendrik Schmidt)

Die CDU macht derzeit auf viele Beobachter einen wenig geschlossenen Eindruck. Personaldebatten, aber auch Streit in Sachfragen entzweien die Partei. Auf dem Parteitag in Leipzig wird die Parteiführung versuchen, die Fliehkräfte zu bändigen. Die Machtfrage dürfte vertagt werden.

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Impeachment-Ermittlungen Verteidigung der Republikaner wie ein Kartenhaus eingestürzt

Der US-Botschafter bei der EU, Gordon Sondland (dpa-news / AP / Andrew Harnik)

KOMMENTAR Donald Trumps EU-Botschafter Gordon Sondland sei bei den Impeachment-Ermittlungen zu einem der wichtigsten Kronzeugen der Demokraten geworden, kommentiert Martin Ganslmeier. Sondlands belastende Aussagen hätten eine Anklage gegen den US-Präsidenten sehr wahrscheinlich gemacht.

Finanzsystem Bundesbank warnt vor steigenden Risiken

Blick auf die Skyline von Frankfurt am Main (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Die Bundesbank sorgt sich: Die niedrigen Zinsen treiben Banken und Anleger vermehrt ins Risiko. Und das könnte auch das gesamte Finanzsystem gefährden. Denn Banken seien laxer in der Kreditvergabe - im Falle eines Konjunktureinbruchs könnte es zu Kreditausfällen kommen.

Psychische Krankheiten Keine Depressionsepidemie

Schulkinder mit Rucksäcken gehen auf einer Straße (dpa/Monika Skolimowska)

KOMMENTAR Dass mehr Kinder wegen Depressionen in eine Klinik eingewiesen werden als früher, liege an einem größeren Bewusstsein für das Thema, kommentiert Pia Rauschenberger. So würden mehr psychische Krankheiten diagnostiziert, die früher unerkannt blieben. Grund für Panik gebe deshalb nicht.

Datenschutz in der Schule "Kinderrechte auf Privatsphäre haben wir nicht so im Blick"

Ein Schüler lernt während des Unterrichts im Fach Geschichte am Alten Gymnasium Oldenburg (AGO) mit einem iPad; Symbolbild Digitales Lernen (dpa/Hauke-Christian Dittrich)

Mit einem Sensor im Schulranzen den Schulweg überwachen, mit einer Lernsoftware den Lernforschritt - Eltern sollten ihren Kindern mehr Freiräume lassen, sagte Medienethikerin Jessica Heesen im Dlf, erst Recht in der Schule als demokratischem Lernort. Nur so könnten sie zu mündigen Erwachsenen werden.

Außerirdisches Astronauten-Heim Ein Haus für den Mars

Simulierte Marsstation auf Hawaii, das Projekt "Hawaii Space Exploration Analog and Simulation" (HI-SEAS) wird von der Weltraumagentur Nasa und der Universität Hawaii betrieben (dpa/NASA HI-SEAS)

Geophysikerin Christiane Heinicke hat ein Test-Wohnheim für künftige Mond- und Marsmissionen entwickelt. Das soll mehr leisten, als nur das bloße Überleben der Astronauten zu sichern, sagte sie im Dlf. "Die sollen dort auch leben, sich wohlfühlen. Dann können sie auch produktiv arbeiten."

Bündnis moderne Mobilität Abschied von der autogerechten Stadt

Andreas Scheuer (CSU), Bundesverkehrsminister, hält zu Beginn der Gründung eines "Bündnisses für moderne Mobilität" von Bund, Ländern und Kommunalverbänden, seine Eröffnungsrede. (dpa-news / Wolfgang Kumm)

Weniger Fläche für den Autoverkehr, stattdessen Vorfahrt für Fahrrad, Bus und Bahn: Mit dem Bündnis für moderne Mobilität will Verkehrsminister Andreas Scheuer den Verkehrsraum in den Städten komplett umkrempeln. Die Kommunen begrüßen das - mahnen aber, dass sie dazu mehr als nur Geld benötigen.

Medizinische Versorung Apotheker und Ärzte beklagen Medikamentenengpass

Blick durch eine Glasscheibe auf ein vollautomatisches Medikamenten-Lager, Symbolbild Lieferengpässe von Medikamenten (dpa/Andreas Arnold)

Antidepressiva, Masern-Impfstoff und Blutdrucksenker - rund 540 Medikamente waren laut Bundesinstitut für Arzneimittel im Oktober nicht lieferbar. Für die Apotheker, Ärzte und auch Patienten bedeutet dies einen immensen Mehraufwand. Ein Grund für den Engpass ist die globalisierte Lieferkette.

Trittin (Grüne) "NATO ist von tiefen Interessengegensätzen geprägt"

Jürgen Trittin (Grüne) spricht im Bundestag, das Bild rechts wird unscharf (dpa/Ralf Hirschberger)

INTERVIEW Jürgen Trittin sieht die NATO in einer schweren Krise. Inzwischen würden sich in bestimmten Fällen Bündnismitglieder "militärisch bedrohen", sagte Grünen-Politiker Jürgen Trittin im Dlf. Damit die Europäer nicht zum Spielball eines Wirtschaftskrieges werden, bräuchten sie eine gemeinsame Außenpolitik.

Neue Hochmoselbrücke Größtes Brückenbauprojekt Europas fertiggestellt

Luftaufnahme der Hochmoselbrücke. (dpa /  Thomas Frey)

Am Donnerstag wird das zur Zeit größte Brückenbauprojekt Europas für den Verkehr freigegeben: die neue Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig in Rheinland-Pfalz. Damit geht vorerst auch eine lange, kontroverse Debatte über Sinn und Unsinn des Brückenbaus zu Ende.

Holocaust-Überlebende Mary Berg Tagebuch aus der Warschauer-Getto-Hölle

Massenerschießung im Warschauer Ghetto während des Zweiten Weltkriegs (imago / ITAR-TASS)

Miriam Wattenberg erlebte als Jugendliche, wie die Nazis einen Teil Warschaus zum Getto machten. Sie notierte das Erlebte in einer Geheimschrift. 1944 emigrierte die Familie in die USA. Aus Miriam wurde Mary Berg. 74 Jahre nach dem Ende des Holocaust erscheinen ihre Erinnerungen nun erstmals auf Deutsch.

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Politik

Israelische Siedlungspolitik Historiker: Nach 40 Jahren sind andere politische Lösungen gefragt

Ein ultra-orthodoxer Jude geht eine Straße im Ortsteil Ramot Shlomo in Ost-Jerusalem entlang. (dpa / picture alliance /Jim Hollander)

INTERVIEW Der Historiker Michael Wolffsohn hat einen neuen politischen Ansatz in der Diskussion um die israelische Siedlungspolitik gefordert. Die bisher gängige Meinung im Völkerrecht, die Siedlungen als illegal anzusehen, habe nicht zum Frieden geführt, sagte er im Dlf.

Reinhart (CDU) "Wir brauchen Mut zu einer echten Runderneuerung"

Das Logo der CDU ist in Berlin an der CDU-Zentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus, rot beleuchtet. (picture-alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

INTERVIEW Wolfgang Reinhart, CDU-Fraktionschef im Landtag von Baden-Württemberg, hat seine Partei vor dem anstehenden Bundesparteitag dazu aufgefordert, selbstkritisch einen Erneuerungsprozess anzustoßen. Die Partei müsse wieder an Profil gewinnen, sagte er im Dlf.

Wirtschaft

Jahresbilanz von Thyssenkrupp Thyssenkrupp streicht Jobs und Dividende

Ein Hochöfner bei der Arbeit - mit Schutzanzug inmitten von glühendem Stahl. (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)

Der Essener Stahlkonzern Thyssenkrupp hat eine schlechte Jahresbilanz vorgestellt: Hunderte Millionen Euro Verlust führten dazu, dass das Unternehmen die Dividende für die Aktionäre strich. Nun könnten Tausende Jobs wegfallen. Ob die Kürzungen den Konzern aus der Krise ziehen, ist fraglich.

Steigende Mieten Stuttgart löst München als teuerste Stadt ab

Blick auf eine verzierte Altbaufassade mit Balkon, auf dem eine Frauenfigur als Stützpfeiler zu sehen ist  (imago/Schöning)

Die Immobilienmärkte boomen seit Jahren – und das ist schlecht für Mieter. Doch immerhin: Eine neue Erhebung zeigt: Der Mietpreisanstieg hat sich zuletzt etwas verlangsamt. Und nicht mehr München ist die teuerste Stadt – sondern Stuttgart.

Wissen

Vernetzter Kapitalismus Ethik in der digitalen Welt

Weibliches Gesicht mit Computerplatinen (imago stock&people)

Tech-Konzerne wollen die Welt verbessern, beschäftigen aber teils unter prekären Arbeitsverhältnissen. Künstliche Intelligenz könnte Gewalttäter identifizieren, doch wirft dies datenschutzrechtliche Fragen auf. Im heutigen Geist des digitalen Kapitalismus bedarf es einer neuen Ethik.

Hype oder Hoffnung Genschere heilt angeblich Blutkrankheiten

Eine computerbasierte Darstellung der Genschere Crispr. (imago/Science Photo Library)

Die Genschere CRISPR/Cas9 hat der Gentherapie neuen Schwung verliehen. Bis klinische Studien Ergebnisse liefern, wird es jedoch noch einige Jahre dauern. Dennoch gibt es bereits erste Erfolgsmeldungen: Angeblich wurden zwei Patientinnen mit der Methode geheilt.

Europa

Russischer Haushalt Schuldenfreiheit zu Lasten der Sozialpolitik

Eine leicht zerzauste russische Fahne weht in Wolgograd vor einem heiteren HImmel (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)

Russlands Wirtschaft wächst eher verhalten – und doch steht das Land finanziell insgesamt sehr gut da. Der Haushalt ist schuldenfrei, allerdings hat die strikte Finanzpolitik ihren Preis: eine höhere Mehrwertsteuer und ein späteres Renteneintrittsalter. Zudem leistet sich Russland keine umfassende Sozialpolitik.

Proteste gegen Regierungskoalition "Das Schlimmste, was Estland seit der Unabhängigkeit passiert ist"

Protestierende gegen die rechts-konservativ-liberale Regierungskoalition in Tallinn (Deutschlandradio / Frederik Rother)

Seit die rechtskonservative Partei Ekre mit am estnischen Kabinettstisch sitzt, demonstrieren jede Woche Menschen in Tallinn gegen die Regierung. Mancher spricht von einer Koalition mit Nazis. Aber die Front der Demonstranten bröckelt.

Kultur

Gendersensibles Design Offene Gestaltung für offene Lebensformen

(Pressephotos, Samer Beyhum)

Design für alle, unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung – das ist das Ziel gendersensiblen Designs. Das International Gender Design Network ist ein weltweit operierendes Netzwerk von Kreativen. Vor allem Designerinnen sollen gestärkt und in internationalen Projekten vernetzt werden.

"Marriage Story" von Noah Baumbach Liebe überlebt Trennung

Szene aus dem Film "Marriage Story": Nicole (Scarlett Johansson) und Charlie (Adam Driver) zusammen im Wohnzimmer, er hat eine Trompete in der Hand. (Wilson Webb / Netflix)

Mit der fantastischen Schauspielkunst von Scarlett Johansson und Adam Driver erneuert Regisseur Noah Baumbach das Genre des Scheidungsfilms. "Marriage Story" ist intensives Gefühlskino.

Literatur

Bestseller: "Die Zeit des Lichts" Erotik statt Emanzipation

Die US-amerikanische Schriftstellerin Whitney Scharer (Klett-Cotta Verlag / Sharona Jacobs)

Über eine Million Dollar Vorschuss hat Whitney Scharer in den USA für ihr Debüt "Die Zeit des Lichts" bekommen. Der historisch-fiktive Roman erzählt die Liebesgeschichte der FotokünstlerInnen Lee Miller und Man Ray; leider nicht als Emanzipationsgeschichte.

Roman über fiktiven Internet-Star „Der Narzissmus ist bei Social Media ein Selbstzweck geworden“

Felix Scharlau - Autor des Romans "Du bist es vielleicht" - vor einem bunten Gemälde im DLF-Funkhaus  (Deutschlandradio/Adalbert Siniawski)

INTERVIEW In der Mediensatire „Du bist es vielleicht“ wird ein Lehrer zum Internet-Star. Felix Scharlau hat sie geschrieben, er arbeitet selbst als Social-Media-Redakteur. Zuhause ließe er Twitter lieber zu, sagte der Autor im Dlf, und erklärte, weshalb.

Gesellschaft

Social-Media-Richtlinien der Bundeswehr Twittern aus dem Panzer

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Wenn Soldaten Fotos auf Instagram hochladen, geben sie im schlimmsten Fall geheime Informationen preis. Die Bundeswehr hat deswegen einen neuen Leitfaden für die Nutzung sozialer Medien veröffentlicht. Dabei geht es aber nicht nur um Sicherheitsaspekte.

Projekt Shalom Aleikum Juden und Muslime an einem Tisch

Das Projekt Shalom Aleikum bringt in Deutschland Juden und Muslime für Gespräche zusammen. (Zentralrat der Juden / Malina Ebert )

Bei Hummus und Börek über Religion reden: Das Projekt Shalom Aleikum bringt in Deutschland Juden und Muslime für Gespräche zusammen. Geredet wird über Stereotype und Vorurteile, aber vor allem über das Verbindende. Zum Beispiel, dass die Essensregeln Koscher und Halal viel gemeinsam haben.

Sport

Fußballpodcast "FRÜF" Frauen am Ball

Weiblicher Fan bei einem Spiel von Union Berlin im Oktober 2019 (www.imago-images.de)

Wenn in deutschen Sportmedien über Fußball gesprochen wird, dann klingt das oft sehr männlich. Dabei zeigt der Podcast "Frauen reden über Fußball", dass es genug Expertinnen gibt.

Spitzensportreform Badminton top, Rudern Schlusslicht

Bei der Vorstellung des neuen Deutschland-Achters fahren die Ruderer des Deutschland-Zweier (l-r) ohne Steuermann, der Deutschland -Achter und der Deutschland Vierer ohne Steuermann über den Dortmund-Ems Kanal (picture alliance / dpa / Guido Kirchner)

Für die Reform des deutschen Spitzensports sollen die Erfolgschancen von Sportarten und Disziplinen bewertet werden - mit einem Potenzialanalysesystem (PotAs). Daran sollte sich auch die Sportförderung des Bundes bemessen. Der vorläufige Bericht zum Sommersport enthält aber Überraschungen.

Programm